Weinkollegs 2025
2. Weinkolleg 2025 mit Jule Mayr, der Württembergischen Weinprinzessin 2024
Zum zweiten öffentlichen Weinkolleg der Freunde der Vinothek war Jule Mayr, die ehemalige Württembergische Weinprinzessin aus Ochsenbach in die Vinothek am Schloss eingeladen. Mehr als 25 Gäste und Vinothekare waren gekommen, um ihre Ausführungen zum Werdegang und den Aufgaben einer Weinprinzessin und ihrem persönlichen Hintergrund in Wort und Bild gespannt aufzunehmen. Schwungvoll und engagiert hielt Jule Mayer ihren sehr informativen und bestens vorbereiteten Vortrag über ihre Lebensstation als Weinprinzessin.
Die gelernte Versicherungskauffrau hat sich nach der ersten Ausbildung zur staatlich geprüften Weinbautechnikerin in mehreren Weinbaubetrieben praktisch ausbilden lassen und an der beruflichen Weinbauschule in Heilbronn Ihren Weinbautechniker erfolgreich abgeschlossen.
Außerdem hat diese junge engagierte Powerfrau schon 2016 ihren eigenen Weinbautrieb gegründet. Sie ist zwar weiterhin zu 50 Prozent in ihrem Erstberuf tätig, bearbeitet aber zusätzlich ihre 2,5ha Weinberge bei Wind und Wetter und keltert sechs eigene Weine überwiegend aus den klassischen württembergischen Sorten Riesling und Lemberger. Es gibt auch einen prickelnden Rosé-Perlwein und eine gelungene Cuvée aus Chardonnay und Weißburgunder in ihrer Produktpalette. Letztere hatte sie den Zuhörern gleich zu Beginn des Weinkollegs als „Verkosterle“ mitgebracht.
Trotz der hohen Mehrfachbelastung hat sich Jule Mayr 2023 auf das Amt als Württembergische Weinhoheit beworben und wurde nach umfangreicher Fachbefragung durch das Jurorengremium am 23. November 2023 in Massenbachhausen zur Württembergischen Weinprinzessin gekürt. Sie beschreibt dieses Jahr durch die vielen Sondertermine, die sie in der gesamten Bundesrepublik zu erfüllen hatte, als das anstrengendste Jahr ihrer noch jungen Karriere. „Ich konnte das nur leisten, da mein Arbeitgeber mich großzügig unterstützt hat.“ Sie war allein viermal in Berlin und übertrug dort ihre Leidenschaft für den Württemberger Wein bei großen Veranstaltungen wie beispielsweise der Stallwächterparty der Baden-Württembergischen Landesvertretung.
Zum Ende ihrer kurzweiligen Ausführungen bekannte Jule Mayr, dass es ihr bei den vielen Repräsentationsaufgaben manchmal schwer gefallen sei, sich bei politischen Themen zum Weinbau zurückzuhalten. Die vielen Einschnitte, Vorschriften und Veränderungen für jeden einzelnen Winzer und der Umbruch in der gesamten Weinbranche, dessen Folgen heute noch nicht absehbar seien, mache schon heute den Weinerzeugern große Sorgen und mancher denke über ein Aufhören nach. Dennoch strahlte die Referentin große Zuversicht und ein überdurchschnittliches Engagement für die Zukunft des württembergischen Weinbaus aus. Der anschließende kräftige Applaus unterstrich die Aussage eines Zuhörers, dass die Weinbranche „genau solche engagierten junge Menschen wie Sie, Jule Mayr, braucht!“
Text und Fotos: Hannelore Tiedke
1. Weinkolleg 2025 vor Ort in der Weinkellerei Kölle
Der Einladung der Freunde der Vinothek Bönnigheim zum ersten öffentlichen Weinkolleg des Jahres waren 35 Gäste und Vinothekare gefolgt und konnten vom gut gelaunten und sehr gut vorbereiteten Gastgeber Heinz Kölle in seiner „Fassdaube“ pünktlich um 15 Uhr am vergangenen Samstag begrüßt werden. Es war alles angerichtet für einen abwechslungsreichen und informativen Nachmittag zum Thema „Roséweine, Frühlings- und Sommerweine von Lachsrosa bis Ziegelrot“.
Zunächst erfuhren die Teilnehmer einiges über die Bezeichnungen Rosé, Weißherbst, Schiller, Badisch Rotgold und Rotling. Der Schillerwein, der ausschließlich in Württemberg erzeugt wird und eine geschützte Markenbezeichnung ist, wird immer aus weißen und roten Weinen hergestellt, während beim fränkischen Rotling bereits ein gemischter Satz Trauben abgepresst wird oder spätestens die Maische aus weißen und roten Trauben bestehen muss. Ein Weißherbst wird immer aus nur einer Traubensorte hergestellt.
Die helle lachsrosa bis ziegelrote Farbe erhalten die Roséweine, die aus allen roten Trauben hergestellt werden können und häufig auch eine Cuvée sind, durch sehr vorsichtige Pressung, teilweise auch durch einen sogenannten „Saftabzug“. Das heißt, das Herauspressen des hellroten Traubenmostes erfolgt durch das Eigengewicht der Trauben schon während der Lese, dem Transport und einer kurzen Standzeit von ca. 5-6 Stunden in der Kellerei. Als besonderer Nebeneffekt ergebe sich durch diesen Abzug, dass die verbleibenden Rotweine deutlich kräftiger in Farbe und Geschmack seien, so Heinz Kölle.
Während seines eineinhalb stündigen Vortrags konnten die Gäste sowohl einen fruchtigen Rosé als auch einen Blanc de Noir aus Samtrottrauben verkosten. Letzterer zähle zu den Weißweinen und müsse so hell gekeltert sein, dass er keinen Rotton habe und höchstens golden im Glase schimmere.
Eine lebendige Fragerunde aus dem Publikum ergänzte dieses gelungene Fortbildungskolleg, wobei auch der Stellenwert der Roséweine im Hause Kölle zur Sprache kam. Obwohl diese Weine nur etwa 10% der gesamten Erzeugung der Weinkellerei Kölle betragen, spielen sie in Verbindung mit den Weißweinen des Hauses eine zunehmende Rolle, was der steigende Absatz dieser Sommerweine zeige. „Die Rotweine werden hauptsächlich in den Wintermonaten verlangt, sind aber in der Menge deutlich rückläufig was den Absatz anbelangt“, so Heinz Kölle in seinen Ausführungen. Er ergänzte: „Überwiegend junge Leute tendieren zu den Roséweinen, besonders, wenn sie nicht zu trocken ausgebaut sind, zumal der etwas höhere Restzuckeranteil bei feinherben oder auch fruchtigen Weinen als Geschmacksträger besonders in dieser Konsumentengruppe deutlich Anklang findet“, beendete Heinz Kölle seine Ausführungen. Mit großem Applaus bedankten sich die Gäste und die Freunde der Vinothek Bönnigheim für den informativen Nachmittag im Hause Kölle.
Für die Freunde der Vinothek Bönnigheim e.V.
Hannelore Tiedke
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit