Gedenkstättenbesuch in Grafeneck
Am Dienstag, den 20. Dezember 2011 besuchten wir, die Klassen 10Ra und 10Rb, die Gedenkstätte in Grafeneck. Im Deutschunterricht lesen wir gerade das Buch „Grafeneck“ von Rainer Gross, das auch Thema unserer Abschlussprüfung sein wird. Die Klasse 10Ra wurde von Frau Tiedke und Herrn Schabinger, die Klasse 10Rb von Herrn Mayer und Frau Zettler begleitet.

Durch den unerwarteten Schnee kamen die Schulbusse zu spät und die Abfahrt verschob sich auf 8 Uhr. Von Herrn Mayer haben wir während der Fahrt noch ein Blatt mit Informationen über die Tötung von Behinderten und der T-4Aktion erhalten. Ziel der Nationalsozialisten war es all das von ihnen als „unwert“ betrachtete Leben zu vernichten. Die Morde wurden als „Gnadentod“ verharmlost. Alle Leichen der Opfer wurden verbrannt, nichts sollte an die Ausrottung der als „minderwertig“ Bezeichneten erinnern. Nach 2 Stunden Fahrt waren wir fast am Ziel. Die letzten Meter fuhren wir den gleichen Weg wie damals in den grauen Bussen die Behinderten und psychisch Kranken, die dort getötet wurden.

Um 10:15 Uhr kamen wir endlich an. Das gelbe Schloss wirkte sehr friedlich und schön von außen. Keiner konnte sich vorstellen, dass in diesem Schloss so grausame Taten „verwaltet“ und in unmittelbarer Nähe durchgeführt wurden. 1940 wurden in Grafeneck über 10 000 behinderte Menschen ermordet. Heute befindet sich dort eine eindrückliche Gedenkstätte. Nach kurzem Warten wurden wir vor dem Schloss von einem freundlichen Mitarbeiter der Gedenkstätte begrüßt. Da es in Grafeneck sehr kalt war, waren wir alle froh, dass wir zuerst mit der Führung im Schloss anfingen. Er hielt einen Vortrag über die wichtigsten Ereignisse und das Geschehen dort. Vieles wussten wir schon aus dem Geschichteunterricht. Die Folien, die benutzt wurden, kamen uns bekannt vor. Schön war, dass wir mit einbezogen wurden und der Vortrag dadurch für ins interessanter wurde. Manche Schüler bekamen Karten mit Wörtern, die sie erklären sollten. Danach wurden diese an die Tafel gehängt. Links hingen die Wörter, mit denen die Nationalsozialisten die Menschen mit Behinderungen beschrieben hatten, z.B. „erbkrank“ und „minderwertig“. Rechts waren die Wörter wie die Nationalsozialisten sich selbst beschrieben haben z.B. „erbgesund“ und „höherwertig“. Außerdem erfuhren wir, dass es in Deutschland insgesamt sechs Mordanstalten gab. Diese waren alle sehr gut verteilt.

Um 11:20 Uhr waren wir mit dem Teil im Schloss fertig. Es folgte eine kleine Pause für uns alle. Anschließend haben wir die Führung im Außenbereich fortgesetzt. Wir standen vor dem Schloss und Gedenkstättenmitarbeiter hat uns noch einiges über die Geschichte von Grafeneck erzählt. Wir erfuhren, dass den Menschen in Grafeneck schnell aufgefallen ist, dass irgendetwas nicht stimmte. Die Bewohner haben sich darüber viele Gedanken gemacht. Sie haben ja schließlich mitbekommen, dass graue Busse mit Menschen aus der Psychiatrie kamen und leere Busse zurück fuhren.
Danach liefen wir einen langen Weg zwischen Bäumen entlang und an den Seiten befanden sich die Gebäude, in denen die Behinderten heute wohnen. Manchmal liefen uns Menschen mit einer Behinderung über den Weg, die heute in Grafeneck ein Zuhause gefunden haben. Dann machten wir einen Stopp, um uns eine bestimmte Stelle genauer anzuschauen. Wir waren jetzt an dem Ort, wo damals die Scheune stand, in der die Menschen verbrannt wurden. Eigentlich sollte die Stelle frei bleiben, doch die Planer haben sich vermessen und heute befindet sich an dieser Stelle eine Turnhalle. Danach sind wir in ein Haus mit vielen Informationstafeln an den Wänden – dem Informationsraum der Gedenkstätte. In einer Ecke stand ein kleiner Tisch, auf dem sich ein Buch befand. In diesem Buch können sich alle Besucher der Gedenkstätte eintragen oder eine Widmung hinterlassen. Wir haben auch einen kleinen Spruch und unsere Namen in das Buch hinein geschrieben.
Als Letztes sind wir zum Mahnmal gelaufen, der emotionalste Teil der Führung. Ein Dach mit fünf Säulen als Symbol für das fünfte Gebot. „Du sollst nicht töten“. Unter dem Dach steht ein großer runder Stein, um den wir alle herum standen. Zuletzt zündeten wir eine Kerze an und hielten eine Schweigeminute für die Opfer von Grafeneck. Jetzt bekamen wir noch ungefähr 5 Minuten um uns den Friedhof oder das Buch mit den Namen der 10658 Opfer anzuschauen. Dann war die Führung zu Ende. Wir verabschiedeten uns und bedankten uns für die interessante Führung beim Mitarbeiter der Gedenkstätte. Anschließend gingen wir alle zusammen zu unserem Bus zurück. Wir haben uns alle sehr gefreut wieder im Warmen zu sein. Die Fahrt zurück war sehr laut, da alle Schüler sich lautstark unterhalten haben. Um ca. 16.30 Uhr waren wir wieder in Bönnigheim und eine interessante Ausfahrt ging zu Ende.
Rebecca Grunow. 10Rb








